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teegarten japan

Warum der Matcha-Boom jetzt auch deinen Sencha teurer macht

Der Matcha-Boom trifft längst nicht nur Matcha. Er verändert gerade den gesamten japanischen Teemarkt – und damit auch die Preise und die Verfügbarkeit guter Blatt-Tees.

Im Frühjahr bekommen wir von unseren japanischen Partnern die Angebote für die neue Ernte. Normalerweise ist das ein schöner Moment: neue Chargen, erste Muster und die Vorfreude auf den Shincha. In diesem Jahr haben wir beim Blick auf die Preislisten allerdings erst einmal geschluckt. Für einzelne Tees wurde uns bis zum Fünffachen dessen genannt, was wir noch vor zwei Jahren bezahlt haben.

Wir finden, du solltest wissen, woran das liegt.

Alle wollen Matcha – gleichzeitig

Matcha hat sich in wenigen Jahren vom Nischenprodukt zum Weltgetränk entwickelt. Cafés in New York, London oder Berlin schäumen ihn auf, Matcha-Latte ist zum festen Bestandteil vieler Getränkekarten geworden und japanischer Grüntee wird heute in Mengen exportiert, die noch vor einigen Jahren kaum vorstellbar waren.
Ein großer Teil dieses Wachstums entfällt auf Matcha und andere pulverisierte Grüntees.

Gleichzeitig wird in Japan immer weniger Tee angebaut. Die Erntemenge ist heute deutlich kleiner als vor zwanzig Jahren. Die Zahl der Betriebe sinkt, viele Teebäuerinnen und Teebauern werden älter und häufig fehlt eine Nachfolge. Wird ein Teegarten aufgegeben, entsteht dort nur selten wieder ein neuer.

Mehr Nachfrage trifft also auf weniger verfügbare Teeblätter. Das bleibt nicht ohne Folgen: In der Frühjahrssaison 2026 lagen die durchschnittlichen Preise für Blatt-Tee auf dem Teemarkt in Kagoshima mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr – und damit auf dem höchsten Stand seit Mitte der Siebzigerjahre.

matcha mühle mit keramik kugeln

Warum dadurch auch Sencha teurer wird

Matcha und Sencha stammen aus derselben Teepflanze. Welcher Tee daraus entsteht, entscheidet sich durch den Anbau und die anschließende Verarbeitung.
Für Tencha, den Ausgangstee für Matcha, werden die Teepflanzen vor der Ernte beschattet. Nach dem Pflücken werden die Blätter gedämpft und anschließend getrocknet, ohne sie zu rollen. Erst später wird der Tencha fein vermahlen.
Sencha wächst dagegen überwiegend ohne Beschattung. Seine Blätter werden ebenfalls gedämpft, danach aber gerollt und in ihre typische längliche Form gebracht.

Wenn Tencha deutlich höhere Preise erzielt als Sencha, wird die Umstellung für viele Betriebe wirtschaftlich interessant – manchmal sogar notwendig. Teegärten, die früher überwiegend Blatt-Tee hergestellt haben, nutzen heute einen größeren Teil ihrer Flächen für Tencha. Auch das japanische Landwirtschaftsministerium unterstützt den Ausbau der Tencha-Produktion, um die weltweit steigende Matcha-Nachfrage bedienen zu können.

Was dadurch knapper wird, ist genau der Tee, den wir besonders lieben: sorgfältig hergestellter japanischer Blatt-Tee zum Aufgießen.

tee garten japan

Wir haben nichts gegen Matcha

Im Gegenteil: Richtig guter Matcha ist ein außergewöhnlicher Tee. Was uns beschäftigt, sind die Folgen des Booms für die Vielfalt des japanischen Tees – und für seine Qualität.
Der Begriff Matcha ist international nicht einheitlich rechtlich geschützt. Nach der traditionellen und fachlichen Definition entsteht Matcha aus beschattet angebautem Tencha. Im Handel wird die Bezeichnung jedoch teilweise auch für andere fein gemahlene Grüntees verwendet.

So kann auch unbeschatteter oder für Sencha produzierter Tee vermahlen und als Matcha angeboten werden. Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick ähnlich aus, unterscheidet sich geschmacklich aber deutlich von echtem Matcha aus Tencha.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen: Woher kommt der Tee? Wurde er aus Tencha hergestellt? Wer hat ihn angebaut und verarbeitet? Und kann der Anbieter diese Fragen nachvollziehbar beantworten?

Für uns gilt beim Matcha dasselbe wie bei jedem anderen Tee: Entscheidend sind Herkunft, handwerkliche Verarbeitung und die Menschen, die dahinterstehen.

Bio-Tee trifft es besonders

Bio-Tee aus Japan war schon vor dem Matcha-Boom nur begrenzt verfügbar. Neue Bio-Flächen lassen sich nicht kurzfristig schaffen. Die Umstellung eines bestehenden Gartens dauert mehrere Jahre, und neu gepflanzte Teesträucher brauchen etwa fünf Jahre, bis sie eine richtige Ernte liefern.

Wer heute hochwertigen japanischen Bio-Blatt-Tee sucht, sucht deshalb in einem sehr kleinen Topf – gemeinsam mit vielen anderen, die genau dasselbe wollen.

Was wir daraus machen

Wir werden nicht jeden Preis mitgehen. Bei manchen Tees wird sich der Preis verändern, andere kaufen wir in kleineren Mengen. Und der eine oder andere Tee wird vielleicht eine Saison lang fehlen.
Gleichzeitig sprechen wir noch intensiver mit unseren langjährigen Partnern und suchen nach weiteren Teegärten, die auch unter den veränderten Marktbedingungen hervorragenden Blatt-Tee produzieren. Uns interessieren keine beliebig großen Mengen. Wir suchen eigenständige Tees aus biologischem Anbau, deren Herkunft und Verarbeitung wir nachvollziehen können.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Bio-Teegarten der Familie Hayashi in den Kirishima-Bergen von Kagoshima. Die Familie baut dort seit dem späten 19. Jahrhundert Tee an. Heute führen Shutaro und sein Bruder Kenji diese Arbeit weiter und produzieren charaktervolle Tees, bei denen nicht der aktuelle Hype, sondern der Geschmack des Blattes im Mittelpunkt steht.

Und guter Tee war noch nie eine Frage möglichst großer Mengen. Nimm eine kleine Kanne, gieße bewusst auf und nutze auch den zweiten und dritten Aufguss. Gerade dort zeigt ein guter Sencha oft noch einmal ganz andere Seiten.

Viele Grüße
Andreas & Ralf

 

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